Ich bin ein Fan von Nähten. Sie geben Halt, Stabilität und tun der Paßform gut. Ich nähe gerne, und sauber ausgeführte Nähte geben einem Strickstück den letzten Schliff und lassen es professionell aussehen.

Trotzdem gibt es Strickstücke, bei denen ich auf Nähte verzichte, so wie dieser Noro Kurzarmpullover gestrickt als Raglan-Von-Oben. Das untere Rumpfstück ist rund gestrickt, ohne Seitennäht. Die Wolle ist von Noro, und zwar die traumhaft weiche Silk Garden, LL 100m/50g Farbe 395. Maschenprobe auf 10x10cm 16M und 22R.

DSCN1623

Ich habe mit mehreren Knäulen gestrickt, damit die Streifen überall gleich breit werden:

Im oberen Raglanteil mit 3 Knäulen parallel
Beim Arm mit 1 Knäul
Im unteren Rumpfteil mit 2 Knäulen parallel

Bei diesem Pullover kann man gut die Seitennähte weglassen und rund stricken.    Zur Noro Wolle 

Das das nicht immer klappt, zeigt sich beim nächsten Modell, bei dem Rumpf und Arme rundgestrickt wurden.

Der Pulli ist nach dem gleichen Prinzip gestrickt, wie der Noro Pullover, als Raglan-Von-Oben, nur länger und aus wesentlich dünnerer Wolle: Fonty Gengis Khan 2, 100% Yak, LL 150m/25g, Maschenprobe auf 10x10cm 36M + 48R.

 

zur Yak Wolle

 

Das Problem : Die Nähte drehen sich extrem nach vorne. Die Seitennaht ( eigentlich ist der Rumpf rundgestrickt, aber er ist tailliert, hat also Abnahmen an der Seite, wodurch die Seitenlinie sichtbar wird ) dreht von der Achsel bis zum Saum um gute 10cm aus dem geraden Verlauf nach vorn. Die untere Armnaht ( auch hier keine echte Naht, sondern die Linie der Armabnahmen ) dreht um rund 7cm nach vorne.

Die Erklärung für das Drehen liegt im Rundstricken.

Beim Rundstricken gibt es immer am Rundenende, also die Stelle an der die eine Runde aufhört und die nächste Runde beginnt, einen Übergang. D.h. Anfang und Ende einer Runde liegen nicht auf einer Höhe, sondern es gibt einen Höhenunterschied, einen Versatz. Dieser Versatz schiebt den Rundenübergang immer um ein kleines bisschen aus dem geraden Fadenlauf heraus nach vorn. Ist die Wolle nun sehr dünn wie das Yakgarn und der Pullover lang, hat also viele Reihen, dann summieren sich die Versätze schnell auf und führen zum Drehen.

Der Pullover wurde schlußendlich bis zur Achsel wieder aufgetrennt und mit Seitennähten neu gestrickt.

Für alle, die nicht selber nähen möchten : wir bieten einen Zusammennäh-Service an. Für nähere Infos bitte im Atelier anrufen oder mailen unter kontakt@claudiawersing.de

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