Frau Wencke kam mit einem zu warm gewaschenen Pullover in meinen Vorher Nachher Kurs. Ein selbstgestrickter, superschöner Pullover, der eingelaufen und verfilzt, und dadurch zu klein geworden war. Das ist sicher jedem schon passiert. Meist passt man beim Waschen auf, aber nicht immer. Es war ein typisches Lieblingsstück, bei dem alle Gänge mit Erinnerungen verknüpft waren, angefangen beim Wolleinkauf, über das Stricken und bis hin zum gerne Tragen. Dieser Pullover musste gerettet werden.

Der Pullover war zwar zu klein, sah aber immer noch schön aus. Die filzige Oberfläche sah ein bischen nach Walk aus, und Farbe und Schnitt immer noch total aktuell und schön. Viel zu schade zum Entsorgen, weshalb wir ihn in eine Weste umändern wollten.

Was wir gemacht haben:

  1. Ärmel rausgetrennt. Die Überlegung war, den Armausschnitt um eine Masche nach innen umgelegt umzunähen, um eine schöne Kante zu bekommen, war aber im Endeffekt nicht nötig, da der Armausschnitt sehr ordentlich gestrickt war und ohne Umnähen belassen werden konnte.
  2. Seitennähte aufgetrennt. Wir wollten aus den Ärmeln einen Streifen herausschneiden und zwischen die Seitennähte setzen, um den Pullover, bzw die Weste wieder weiter zu bekommen. Ausserdem sollte ein Reißverschluß eingenäht werden und das ist viel einfacher, wenn die Seitennähte offen sind, man kann die Vorderteile viel gerader hinlegen und hat nicht so ein Gewurschtel unter der Maschine. Wie sich später herausstellte, war das Einsetzen eines Streifens in die Seite garnicht mehr nötig, denn ohne Ärmel und mit RV war die Weste plötzlich weit genug.
  3. Aufschneiden der vorderen Mitte. Das war relativ einfach, denn durch die Rippenstruktur konnten wir genau entlang einer Masche aufschneiden.
  4. Einsetzen des Reißverschlußes. Eingenäht ist ein Zwei-Wege-Reißverschluß, den man auch von unten ein Stück öffnen kann.

Sehr schön geworden und wieder tragbar! Danke fürs Zeigen!

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2 Kommentare

  1. zu Vorher-Nachher : Pullover verfilzt, was tun?
    Ich habe auch so einen wunderbaren, leider verfilzten Pullover. Wie kann das eigentlich sein, wenn die Wolle laut Banderole doch filzfrei sein sollte? Ich glaube auch garnicht, dass es zu warm war.
    Aber es ist eben doch passiert.
    Vielen Dank für den Tip. Ich ziehe ernsthaft in Betrachtung, die Ärmel herauszutrennen und die Seitennäthe wieder zu öffnen, aber die vordere Mitte aufzuschneiden, dazu fehlt mir der Mut. Die ganzen durchgeschnittenen Fäden!

    1. „Filzfrei“ ist eine Specialausrüstung, mit der die Wolle behandelt wird, um nicht zu filzen. Eine Art, das zu erreichen, ist, die Wolle mit einer Art Schutzschicht zu umhüllen. Diese Schicht kann sich im Laufe der Zeit abnutzen/abwaschen, und dann filzt die Wolle wie andere Wollen auch. Aber ich weiß nicht, was bei der vorliegenden Wolle der Fall ist, es gibt auch andere Verfahren filzfrei zu bekommen, am besten immer aufpassen bei Wollsachen. Manchmal liegt es auch nicht an der Temperatur, sondern am Waschmittel.
      Ja, aufschneiden von Stricksachen ist heikel. Ich würde vor dem Aufschneiden mit einem Zickzackstich die Maschen sichern, also einmal rechts neben der vorderen Mitte und einmal links daneben. Dann sind die Maschen schon einmal gehalten, dann aufschneiden und durch das Einnähen des Reißverschlußes werden sie zusätzlich gesichert.
      LG

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