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Work-Life-Balance?

Wolle und Stricken

Work-Life-Balance?

Ende Januar. Was ist das nur, was die Tage, Wochen, Monate immer schneller vergehen lässt? Nach einem sehr erholsamen Urlaub im Dezember ging das Jahr für mich trubelig los. Nach einem Urlaub hat man immer viel aufzuarbeiten, normal, doch in diesem Jahr fand ich den Januar besonders lebhaft. Voller Aktivitäten. Toll und aufregend, aber auch anstrengend. Stressig. Wann wird Stress zur Belastung? Wann wird es zuviel? Die Grenze ist wohl schwer zu bestimmen. Work-Life-Balance wird empfohlen. Oder man hört wenn man gestresst ist: „Deine Work-Life-Balance“ stimmt nicht. Hm. Ich mag diesen Begriff nicht.

Ich arbeite sehr gerne und empfinde große Dankbarkeit, das ich mit dem, was ich gerne tue und was meiner Begabung entspricht, meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Doch auch ich muss mich mit Themen wie Stress, Belastung, Überforderung auseinandersetzen.

Ich habe vor langem aufgehört, mein Leben in Arbeitszeit und Freizeit zu trennen.

Work-Life-Balance – diesen Ausdruck habe ich schon immer als blöd empfunden, als unpassend. Es ist wahrscheinlich das Richtige gemeint, aber die Wortwahl impliziert, das ich mich – worst case – schlecht fühle, wenn ich arbeite. Das ich meine Arbeitszeit als Belastung empfinde. Wenn ich mein Leben in Work und Life trenne, bedeutet das, das ich während der „Work“ nicht lebe und mein „Life“ in meiner Freizeit stattfindet. Also warte ich immer nur auf die Freizeit, auf das Wochenende, auf den nächsten Urlaub. Das hat zur Folge, dass ich meiner Arbeitszeit soviel Positives nehme, soviel an Lebensqualität und Wert und sie zu etwas Lästigem degradiere, was schnell vorbei sein muss, damit es endlich wieder Freizeit gibt.

Ich sehe es genau anders herum. Mein Leben ist mein Leben, und egal was ich tue, alles ist kostbare Lebenszeit. Jede einzige Sekunde davon. Auch wenn ich arbeite. Nicht die Arbeit ist das Problem, sondern der Stress, den sie auslöst.

Ich denke nicht, dass es in der heutigen Zeit anders geht, als Stress zu empfinden. Der Stress ist einfach da, und man kann ihm nicht entrinnen. Die Schnelligkeit, die vielen Einflüsse, die vielen Kanäle, auf denen man erreichbar ist und kommunizieren kann, und auch muss. Dem Dauerprasseln von Informationen und Kommunikation kann sich keiner entziehen, weil es zum heutigen Leben dazu gehört.

Ich bin auch nicht der Typ, der die Zeit zurückdrehen möchte. Ich mag Technik, liebe das Internet und glaube nicht, das man mit Rückschritten etwas erreicht.

Auch nicht mit dem Tipp „Arbeite doch mal etwas weniger“ . Oder auch „Du arbeitest zuviel“. Quatsch. Ja, ich arbeite viel. Und ja, ich könnte auch weniger arbeiten. Will ich aber nicht, weil ich so unglaublich gerne arbeite und es mir große innere Zufriedenheit beschert. Dankbarkeit und Glück.

Der Weg mit Stress und Belastung umzugehen ist ein anderer. Nicht weniger arbeiten ist der Weg, sondern Gegengewichte schaffen. Balance. Das einzige Wort, was etwas taugt in diesem Begriff „Work-Life-Balance ; )
Man muss es selber in die Hand nehmen, und mit dem Stress umgehen lernen, damit man gesung bleibt.

Ich mache das auf mehrere Arten,

zum einen habe ich mir absolut fixe Gewohnheiten geschaffen, die Stress reduzieren und mich gesund und leistungsfähig machen/halten. Unverrückbar in meinen Tagesablauf eingebaut, damit ich gar nicht nachdenken muss, ob ich es mache oder ob nicht. Wenn es zur Gewohnheit geworden ist, denkt man nicht mehr, sondern macht, automatisch. Auch dann, wenn man „gefühlt“ eigentlich garkeine Zeit dazu hat. Aber in kleinen Portionen. Keine Monsteranstrengung, sondern klein und schaffbar. Tägliche Bewegung, Joggen direkt morgens, tägliches Meditieren, um das Gedankenkarussel mal abzustellen.

Zum anderen versuche ich, mich nicht zu ernst zu nehmen. Ist nicht ganz einfach, weil ich ein ernster Typ bin. Ich nehme meine Arbeit und alle damit verbundenen Verantwortlichkeiten sehr ernst. Aber nicht mich selber. Ich versuche es, erinnere mich immer wieder selber daran. Mal von oben betrachten, dann sieht man, das man nur ein kleines Rad ist, das nimmt dem Ganzen viel Schwere. Man wird offen und sieht: Jeder hat sein Päckchen.

Dann versuche ich stets zu reflektieren, ob ich noch auf meinem Weg bin. Ob mir das, was ich tue, noch gut tut. Ich denke viel darüber nach, warum ich etwas mache. Wenn ich meine Gründe kenne, mein Warum kenne, dann kann ich mich freiwillig entscheiden. Zu etwas oder gegen etwas. Und dann ist z.B. eine Arbeit nicht mehr lästig, nicht mehr Pflicht, sondern freiwillig und gern getan. Was wiederum den Stress reduziert und wandelt zu positivem Stress.

Doch es gibt immer Momente, in denen das alles nicht klappt und nicht reicht. Und da ist dann Aufmerksamkeit gefragt. Sich selber wichtig nehmen und fortlaufend in sich hineinspüren, um ein Gespür für sich selber zu entwickeln. Vorher zu merken, wann es zuviel wird, nicht erst wenn es zu spät ist. Sobald ich merke, das ich nicht mehr gelassen bin, unruhig werde und die Prioritäten nicht mehr sehe, sondern nur noch den Berg Arbeit, ist das wie eine kleine Alarmglocke. Dann heisst es, nicht einfach weitermachen, sondern regulieren, und sei es nur mit einer kurzen Meditation zwischen durch oder einem Spaziergang mit dem Hund übers Feld.

Natürlich, es gibt noch andere Gegengewichte, ist ja klar. Meine Familie. Meine wunderbaren Kinder. Freunde treffen. Stricken. Spazierengehen, Serien schauen, …all sowas.

Auch ist mir bewusst, das das im Einzelfall sehr schwer sein kann. Ich will auch kein Patentrezept anbieten, sondern nur einen Einblick, wie ich es versuche. Sich überhaupt damit zu beschäftigen, ist der Weg, nicht das Patentrezept. Das ist ein fortwährender Prozeß,

was sind eure Gedanken dazu?

Seid lieb gegrüsst

 

3 Antworten

  1. Gina sagt:

    Liebe Claudia, wunderbar, wie du das Thema auf den Punkt bringst :)) Wie recht du hast… Leben findet jeden einzelnenTag statt, nicht nur im Urlaub oder Wochenende. Und wenn wir ehrlich sind – so mancher „Stress“ ist hausgemacht. Nicht jeder von uns muß ständig erreichbar und online sein… im Gegenteil. Weniger ist manchmal mehr. Dieses ständige Streben nach Mehr, Perfektion und ewige Jammern über unwichtige Kleinigkeiten macht unzufrieden, traurig und lähmt uns. Ich denke, viele von uns erkennen die wahren Schätze und schönen Dinge des Lebens gar nicht mehr… ich versuche es ähnlich wie du zu halten: Kämpfe um das, was dich weiterbringt. Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst. Und trenne dich von dem, was dich runterzieht. Eigentlich ganz einfach (zwinker). Liebe Grüße, Gina

  2. Sigrid sagt:

    Liebe Claudia,
    vor ca. 20 Jahren hörte ich die Rede einer US-amerikanischen Managerin, die sie auf einem Kongress für Frauen ihrer Firma hielt. Darin kamen einige „Gebote“ vor, von denen ich mich aber nur noch an eines erinnere. Es lautete in etwa so: „Don’t lose your balance, because nobody can give it back to you“. Ich habe lange darüber gegrübelt, was sie wohl damit gemeint hat. Als ich „balance“ durch Gleichgewicht ersetzt hatte, wurde mir der Sinn deutlich: Verliere nicht dein (inneres) Gleichgewicht, denn dann fällst du in eine Depression / einen Burnout. Da kommt man nur schwer wieder heraus.
    Ich denke der Streß kommt nicht von der Arbeit an sich, schon garnicht, wenn sie Spaß macht, sondern von den Terminen, die man sich selbst setzt bzw. man von anderen gesetzt bekommt. Wenn man sich zuviel vornimmt, leidet am Ende das Ergebnis und der Mensch.
    Viele Grüße, Sigrid

  3. Liebe Claudia,
    immer wieder inspirierend und unterstützend, deine Blogartikel. Du schreibst wundervoll lebendig und nah. Es macht Freude und Spass, sie zu lesen und den nachfolgenden Gedanken nachzugehen.
    Erst habe ich gedacht, nichts zu schreiben, aber heute kann ich es doch nicht lassen. WORK – LIFE – BALANCE, immer wieder Thema, von allen Seiten strömen plötzlich diese Begriffe auf einen ein, ähnlich wie plötzlich irgendwelche Farben dominieren und uns still und heimlich in den Bann ziehen, und wir gar nicht mehr merken, wie es uns beeinflusst.Und doch, auch eine Chance, sich dessen bewußt zu werden, Neues aufzunehmen, zu überdenken, um dann hoffentlich wieder ganz bei mir selbst anzukommen.Work – Life – Balance, eine stete Gradwanderung. Ich selbst habe immer wieder zu Wolle und Nadeln gegriffen, sie sind mein Rettungsanker, meine Quelle und mein Ausatmen und Neusortieren.Egal, welche Herausforderungen es in meinem Leben waren oder immer wieder sind, die Freiheit meiner kreativen Gedanken bringen mich in die Balance zurück.
    Mein letztes fertiggestelltes Projekt war aus der wundervollen Wolle von The Fibre Company, in der Farbe „river esque“. Dieser Farbname war Inspiration, Stütze und Begleitung in einer sehr herausfordernden Lebensphase bei mir.Indem ich die Wolle in die Hand nehme, beginnt das innere Neusortieren, sich finden und ausdrücken wollen. Es gibt Halt, macht Freude, sammelt und ….. gönnt mir eine kleine Pause: jederzeit! Es bringt mich in die Balance, immer wieder, treu und verlässlich!
    In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine ausgeglichene Zeit,
    herzliche Grüße Joanna-Malin

    Mehr zu diesem Poncho „river esque“ könnt ihr auf meiner Website unter BLOG lesen.

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